Ich bin sehr enttäuscht. Wenn man 50 Prozent anvisiert und dann nur 0,9 Prozent erhält, kann man nicht zufrieden sein. Ein Debakel ist das Wahlergebnis für auch uns schon deswegen, weil wir noch einen Prozentpunkt hinter der Spaßpartei FDP liegen.

Die NPD landete mit 2,1 Prozent in Berlin noch vor der FDP. Hat es ihr geholfen, dass auch Ihre Partei NPD-Plakate geklebt hat?
Ich glaube nicht. Die NPD hat Plakate mit ihrem Vorsitzenden Udo Voigt und dem Slogan „Gas geben!“ vor dem Jüdischen Museum aufgehängt. Weil wir der Meinung sind, dass Die PARTEI die einzige Partei ist, die geschmacklose Plakate in Umlauf bringen darf, haben wir das NPD-Plakat überarbeitet. Und eine Version in Umlauf gebracht, auf der Udo Voigt durch Jörg Haider und seinen zerschmetterten Phaeton ersetzt wurde. Natürlich auch mit NPD-Logo. Wir haben die dann über die NPD-Plakate geklebt und eins auch nachts noch an die Tür der NPD-Zentrale in Köpenick genagelt. Gefreut hat es die NPD nicht, denn in einer Presseerklärung wurde uns „linksteroristischen Mordphantasien gegen national gesinnte Deutsche“ vorgeworfen und eine Klage angekündigt. Die allerdings niemals erfolgt ist, obwohl wir uns darauf gefreut haben.
Für diejenigen, die Ihre Partei nicht kennen, wie würden Sie Ihre Ziele kurz zusammenfassen?
Wir sind eine obskure Splitterpartei ohne Inhalte aber mit unbedingtem Willen zur Macht.
Joachim Gauck sagte vor kurzem, er fürchte sich „vor einem modernen Politikertyp, der völlig auf Inhalte verzichtet“.
Wahrscheinlich hat er unsere Plakate im Berliner Wahlkampf gesehen, mit dem Slogan „Inhalte überwinden!“ Wir sind die modernste und am meisten populistische aller Parteien, insofern fürchtet er uns zu Recht.
Sie wollten schon 2005 „Das Merkel verhindern“ – ein Ziel, die heute an der Basis der CDU auf breite Zustimmung trifft. Fühlen Sie sich als Visionär?
Ja, wir fordern schon seit 2004, die Mauer wieder aufzubauen, um das Merkel wieder dahinter wegzuschließen. Ich erinnere in dem Zusammenhang gern daran, dass Deutschland seine wirtschaftlich erfolgreichsten Jahre hatte, als Merkel hinter der Mauer weggeschlossen war. Wir wollen Merkel übrigens nach der Machtübernahme in ein Lager stecken. Gehen wir da weiter konform?
Nach den großen Erfolgen mit Stoiber und Oettinger hatten wir eher geplant, sie nach Europa wegzuloben. Wie schätzen Sie denn die Schuld der Kanzlerin an der Lage Deutschlands heute ein?
Ich glaube, sie kann nicht viel dafür. Trotzdem wird sie sich zu verantworten haben. Ich denke da an einen Schauprozess wie bei Mubarak. Mit Käfig.
Haben Sie auch Pläne, die kurzfristig umzusetzen sind?
Ja, wir haben eine Aktion „MILFs gegen Merkel“. Und planen für das Frühjahr einen „1 Million MILF March vs. Merkel“…
Welchen Rat würden Sie denen in der CDU geben, die mit einer Kanzlerin Merkel unzufrieden sind?
In Die PARTEI überzutreten. Wir haben ein Aussteigerprogramm für CDU-Mitglieder, die aufrichtig bereuen.
Sehr geehrter Herr Sonneborn, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Martin Sonneborn ist Vorsitzender der Partei Die PARTEI. Der ehemalige Chefredakteur des Politmagazins Titanic ist heute für die Rubrik SPAM auf Spiegel Online verantwortlich und gehört zum Ensemble der heute-show. Das Bild zeigt den prominenten Merkel-Kritiker Ende Juni bei einer Lesung in Hohenheim.
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