In letzter Zeit häufen sich kritische Stimmen am Kurs von Angela Merkel, an der Großen Koalition und oftmals thematisieren berechtigterweise Altkanzler und andere Politikprominenz, dass man Deutschland im Ausland nicht mehr trauen könne. Libyeneinsatz, Eurokrise etc. tragen nicht gerade zum positiven Außenbild Deutschlands auf dem internationalen Parkett bei.

Gerade vor diesem Hintergrund wurde und wird auch oft der Richtungswechsel in der Energiepolitik innerhalb der CDU diskutiert. Wie kommt es dazu, dass eine jahrzehntelange Kernkraftbefürworterin plötzlich Kernkraftwerke abschalten lässt? War dies nur eine vorschnelle Reaktion auf Fukushima oder wirklich eine beachtliche und mutige Meinungsänderung aufgrund neuer Fakten?
Selbstverständlich wurde dieses Thema schon mehrfach durchdiskutiert und der JU Bezirksverband Nordwürttemberg hat einen insgesamt eher unstimmigen Leitantrag mit verabschiedet, der aber doch einige gute Punkte enthält und genau den Zwiespalt der Union widerspiegelt:
Einige treten für die regenerativen Energien ein, jedoch möchten viele noch nicht wirklich die Kernenergie loslassen. Der Antrag beinhaltet viele wichtige und richtige Punkte, man merkt jedoch, dass die Autoren und Autorinnen nicht einer Meinung waren. Meiner Meinung nach war der Atomausstieg nötig und passte zum aktuellen Stimmungsbild der Bevölkerung, denn Umfragen zeigen eindeutig, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich gegen Atomkraftwerke ausspricht. Natürlich muss eine sichere und bezahlbare Energieversorgung gewährleistet werden, jedoch nützt es der CDU nichts, wenn Ideologien und leere Phrasen benutzt werden, anstatt dass man rational denkend versucht, sich mit guten Lösungsstrategien an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Warum kann Deutschland noch nicht nur durch regenerative Energien versorgt werden? Diese Frage ist mit Staatssubventionen, Industrieinteressen, Gasabhängigkeiten und Klimaschutzbedingungen verknüpft und es braucht deshalb so lange, bis man Pläne und Gesetze verabschieden kann bzw. es ist ein ziemlich komplexes Feld, bis man sich einigermaßen ein Bild der aktuellen Energielage und der Möglichkeiten in Deutschland erstellen kann. Die Tatsache, dass man eingesteht jahrzehntelang anderer Meinung gewesen zu sein und nun bereit ist, eine 180-Grad-Drehung zu vollziehen, hat wahrscheinlich sogar die Grünen an Merkel und ihrem Stab verblüfft. Dieser Weg sollte nicht von anderen CDUlern, die nostalgisch alten Zeiten nachtrauern, verhindert werden, vielmehr sollte durch konstruktive Kritik ein stimmiges Energiekonzept vorangebracht werden, in Deutschland nun in realisierbaren Schritten umgesetzt werden und vor allem sollten die CDU-Politiker Merkel und Röttgen sowie Kauder und viele mehr versuchen, der Bevölkerung durch Fakten und klare Aussagen die Lage zu vermitteln. Das heißt im Klartext: „Ja, wir machen jetzt das, weil...“
Damit entzieht man auch präventiv einige Kritik dem politischen Gegner, wirkt glaubwürdig, vernünftig und dies ist effektiver, als wenn man sich innere Rangeleien liefert à la moderne Öko-JUler versus alte Kernkraftbefürworter-CDUlern, um es plakativ auszudrücken. Wobei es ja erstaunlich ist, dass auch viele JUler den neuen Energiekurs der Kanzlerin kritisieren, also dies keineswegs eine Frage des Alters ist.
Das Ziel der JU und CDU sollte sein, dass die deutsche Energiepolitik sich zwischen Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit positioniert.

Natalie Pfau ist Vorsitzende der Jungen Union Kirchheim und stellvertretende Vorsitzende des JU-Kreisverbands Esslingen. Sie studiert in Tübingen die Fächer Politikwissenschaft, Deutsch, Spanisch und Wirtschaft auf Gymnasiallehramt.
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