„Der Ausschnitt von Frau Merkel spaltet die Nation“, „Merkel zum Spielen“, „Schmuckausstellung mit dem Titel ‚Hommage a Angela‘“. Wie würden uns solche Schlagzeilen fehlen, hätten wir unsere gute Angela nicht mehr!
Darüber macht sich in erster Linie kaum jemand Gedanken, wenn er sich fragt, was Deutschland ohne Angela wäre. Aber in Zeiten, in denen die Oberfläche eines Menschen auf Grund der Massenmedien immer mehr an Bedeutung gewinnt, darf man diesen Aspekt nicht einfach unter den Tisch kehren. Ich selber verdiene als Model Geld mit meinem Aussehen. Deshalb fühle ich mich beinahe berufen, meinen Senf aus einer anderen Perspektive als der rein politischen dazu zu geben. Denn wie obige Schlagzeilen zeigen, wird die Politik an sich schnell mal zur Nebensache, wenn die gesamte Medienlandschaft nur noch über das Dekolleté der Kanzlerin fachsimpelt.
Ganz uninteressant ist das Optische für die breite Masse auch nicht bei den männlichen Kollegen. Da macht man sich schon mal Gedanken über die zyklisch zu- und abnehmende Figur von Herrn Fischer oder die Haartönung von Ex-Kanzler Schröder. Aber als Powerdresser wird keiner der männlichen Kollegen betitelt. Ganz im Gegensatz dazu die gute Angela. Ein Musterbeispiel dafür, dass auch Frauen im Alter besser aussehen können als in jungen Jahren. Das macht doch Mut, Ladies: Vom Gesamteindruck einer frustrierten Grundschullehrerin mit Prinz-Eisenherz-Gedächtnisfrisur zu einer Inspiration für Modemacher wie Wolfgang Joop. Es gab genug Stimmen, die davon überzeugt waren, dass Angela es mit ihrer Frisur, Kleidung und Körperhaltung nie zur Kanzlerin bringen wird. Das ist Frau Merkel irgendwann selbst bewusst geworden. Da wird das Lebensmotto „Ich habe genug auf dem Kasten, ich brauche nicht auf mein Äußeres zu achten“, gerne abgelegt, um es den Zweiflern zu zeigen. Und das hat sie. Erste deutsche Bundeskanzlerin und zum 5. Mal ist sie dieses Jahr vom Forbes-Magazin zur einflussreichsten Frau der Welt gewählt worden. Grund genug für Mattel eine Honour Barbie von Frau Merkel anzufertigen. Es ist zwar einiges an Vorstellungsvermögen notwendig, um darin die Kanzlerin zu erkennen, aber wenn dadurch nur das ein oder andere Mädchen den Wunsch hegt, Politikerin zu werden, statt ein weiterer Paris Hilton-Verschnitt, hat die Puppe wenigstens einen guten Zweck erfüllt.

Kera-Rachel Cook (21) studiert Allgemeine Rhetorik und internationale Literaturwissenschaften an der Eberhad-Karls-Universität in Tübingen im 2. Semester. Nebenher arbeitet sie als Übergrößenmodel für die Agentur OKAY Models in Hamburg. Ihre ersten Erfahrungen im Schreiben sammelt sie momentan beim TEASER Magazin.
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