Wer von uns wollte nicht schon mal in die Vergangenheit reisen, die Geschehnisse oder bestimmte Situationen rückgängig machen, um sein schlechtes Gewissen zu bereinigen und somit alles wieder in die richtigen Bahnen zu lenken? Also ich schon! Wer sich hier nicht angesprochen fühlt, dem kann ich nur gratulieren und stelle mir gleichzeitig die Frage: Wie schafft man es, außer man hat die Ambition sich als unfehlbar zu bezeichnen, zu meinen, sich gegenüber anderen Menschen immer richtig zu verhalten und in allen Situationen die richtige Entscheidung getroffen zu haben?
Eine Frage, die sich wohl auch die Bürgerinnen und Bürger heute immer häufiger stellen.
Die Ergebnisse unserer letzten Landtagswahl könnte man schon so interpretieren, dass die Wähler und Wählerinnen, ihre „Fehlentscheidungen“ mit der Wahl der CDU als regierende Partei in Deutschland, wie auch in Baden-Württemberg, wiedergutmachen machen wollten, indem sie den Grünen und der SPD ihre Stimme gaben und somit auch ihr schlechtes Gewissen bereinigt haben. Für die Wählerinnen und Wähler ergibt sich immer wieder die Chance, diesem schlechten Gewissen bei den nächsten Wahlen Abhilfe zu schaffen, ohne dabei in die Vergangenheit reisen zu müssen. Demgegenüber erhält eine Partei und deren Politiker nur eine Chance, die richtigen Entscheidungen zu treffen, solang diese die Regierungsposition innehält.
Doch warum reisen wir nicht einfach in die Vergangenheit und schauen, was uns Frau Merkel in den letzten Jahren beschert hat? Wo wäre die CDU und ganz besonders, die CDU ohne Merkel?
Tief einschneidende Ereignisse haben die Bundesregierung um Angela Merkel in den vergangen Jahren, und besonders am Anfang des Jahres 2011 heimgesucht. Wenn wir ehrlich sind begann doch alles im Jahr 2008, als diese riesige Immobilienblase in den USA platzte und damit eine weltweite Bankenkrise auslöste. Ende 2008 war klar, dass Deutschland in eine tiefe Rezession rutschen wird – die größte nach dem Zweiten Weltkrieg. Aufgrund des starken Rückgangs des weltweiten Konsums rutschte auch die deutsche Wirtschaft in die roten Zahlen – besonders traf es die Bereiche der Automobilindustrie und des Maschinenbaus. Tausende von Menschen verloren in dieser Zeit ihre Arbeitsplätze. Ohne den Eingriff der Bundesregierung in die Volkswirtschaft und das Beschließen des teuersten Gesetz der deutschen Geschichte – einem Rettungsschirm von fast 500 Milliarden Euro - wäre unsere Wirtschaft wohl „die Niagarafälle“ runter gefahren.
Hier stand Angela Merkel vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe als Kanzlerin, denn sie stand unter Beschuss der Industrie, deren Arbeiter, wie auch von Seiten der Bürgerinnen und Bürger, die Angst um ihre Ersparnisse hatten. Mit der Staatsgarantie für die Spareinlagen der Bürgerinnen und Bürger und der Abwrackprämie zur Ankurbelung der Automobilindustrie, bewies die „eiserne Lady“ Merkel zum ersten Mal Nervenstärke, wie auch ihre Kompetenz für die große Politik. Ein Jahr später, bei den Bundestagswahlen, zeigte sich, dass Merkel das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger für weitere vier Jahre erhielt und die CDU vier weitere Jahre regieren darf.
Springen wir nun etwas weiter nach vorne in unserer Zeitreise: Im Herbst 2010 gaben Merkel und die CDU die Verlängerung der Laufzeit der deutschen Atomreaktoren bis 2050 bekannt. Kaum sechs Monate später, nämlich Anfang März nach der Katastrophe im Kernkraftwerk Fukushima, verkündete Merkel mit der gleichen Stimme und mit gleicher Überzeugung, dass der Atomausstieg bereits 2020 statt finden wird. Dass unsere Frau Bundeskanzlerin nun immer mehr unter einem Glaubwürdigkeitsproblem in ihrer eigenen Partei und bei ihren Wählern leidet, wird allen klar sein. An dieser Stelle möchte ich nochmals auf den Beginn dieses Artikels und der Sache der „Unfehlbarkeit“ hinweisen! Was wäre passiert, wenn Frau Merkel sich dazu bekannt hätte, dass sie im Herbst 2010 einen Fehler gemacht hat? Wären dann die Wahlen in Baden-Württemberg anders ausgefallen – wir wissen es nicht!
Mit allen Mitteln versucht die CDU-Vorsitzende die Glaubwürdigkeit gegenüber ihrer Person wieder in die richtige Richtung zu manövrieren, und zieht hierzu schon die Geschichte als Instrument der Beeinflussung heran, indem sie sich und ihre CDU mit Ludwig Erhard vergleicht. Dieser löste den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeitnehmerinteressen mit der Sozialen Marktwirtschaft. Auch Merkel will diesen Weg des Neuen, noch fremden gehen. Hierbei handelt es sich allerdings nicht mehr nur um das Kapital, heutzutage spielt der ethische Faktor des eigenen Lebens unserer Gesellschaft ebenso eine große, wie auch entscheidende Rolle. Wie will Merkel diesen Widerspruch von Kapital und Leben vereinen? Wie wäre es, wenn sie mal in die Vergangenheit reisen und Ludwig Erhard um Rat fragen würde? Zurück in die Zukunft – Willkommen in der Realität des 21. Jahrhunderts, Frau Merkel!

Stefanie Röhm ist Studentin der Betriebswirtschaft mit Spezialisierung Sportmanagement und Pressereferentin der JU Kirchheim.
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