„Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial – und das macht die CDU aus“, dieses Zitat Merkels stammt aus dem Jahr 2009. Genau das Jahr, dass für die CDU mit Ihrem Wunschkoalitionspartner FDP zum Start in eine von Harmonie- und Ergebnisgeprägte, gute Zusammenarbeit führen sollte.
Die Realität sah, sieht und wird vermutlich auch weiterhin anders aussehen. Durch interne Streitigkeiten, Machtkämpfe und ohne oftmals eindeutig erkennbaren Kurs verliert die durch Merkel geführte CDU immer mehr an Profil und Glaubwürdigkeit. An der Basis entsteht somit mehr und mehr der Eindruck, dass die CDU-Führung – um sich den unbedingten Machterhalt zu sichern – dazu entschlossen hat, innerhalb eines Jahres gleich mehrere 180-Grad-Wendungen zu vollführen.
Der Ausstieg vom Ausstieg, die Schulreform, jüngst die Diskussion über den Mindestlohn. Zurecht muss man sich von Kritikern nun vorwerfen lassen, die CDU wäre an Opportunismus und Beliebigkeit kaum zu überbieten. Und als würde das nicht schon ausreichen, beginnt die Fraktionsführung nun auch noch eine Hexenjagd auf die Abgeordneten, die der CDU noch ihr letztes bisschen Authentizität bewahren. Merkelvertraute wie Kanzleramtsminister Roland Pofalla beweisen wahre Schwäche und zeigen, wie bei der Attacke gegen Wolfgang Bosbach, dass es in der Merkel-CDU immer weniger um den Volksvertretungsauftrag geht und immer mehr darum, den Kurs der Führung ohne aufzubegehren mitzutragen.
Wird die Führung den gleichen Fehler wie die SPD mit ihrem „Sarrazin-Problem“ machen? Wird auch die CDU darüber stolpern, differenzierte Meinungen innerhalb der eigenen Partei nicht zu akzeptieren?
Die Zeichen stehen nicht gut, Merkel und ihre Vertrauten haben scheinbar weder vor, sich wieder auf die Grundsätze der CDU zu besinnen, noch Kritik von innerparteilichen Plattformen anzunehmen.
Daran werden auch Regionalkonferenzen und großspurige Versprechungen an die Basis nichts ändern.

Maximilian Brunner (20) ist Student der Germanistik und Rechtswissenschaften in Tübingen. Er ist Mitglied im Vorstand der Jungen Union Nürtingen.
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