Bei Model United Nations lernen Studenten auf der ganzen Welt in einem Planspiel die Arbeit der Vereinten Nationen kennen. Unter den 23 Tübingern, die dieses Jahr vom 21.04. bis zum 23.04. Argentinien bei der „National Model United Nations Conference (NMUN)“ in New York vertreten haben, war auch ich dabei und erlebte für vier Tage den Arbeitsalltag einer Diplomatin bei der UN.

Nach einer Woche Sightseeing in New York war es dann soweit, dass wir für vier Tage in die Haut argentinischer Diplomaten geschlüpft sind. Bereits im Vorfeld konnte man sich aussuchen, in welchem Komitee man sein wollte und ich suchte mir das Komitee „Non-Proliferation Treaty“, also Nichtverbreitung von Atomwaffen, aus. Das gesamte Wintersemester 2010/2011 bereitete man sich an der Universität Tübingen auf dieses Planspiel vor und lernte, wie man freie Reden auf Englisch hält, UN-Resolutionen schreibt und selbst in hitzigen Diskussionen oder bei Beleidigungen höfliche Diplomatie betreibt. Ingvild Bode, eine Doktorandin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen, betreut die Tübinger Delegation, die aus 23 Studenten und Studentinnen verschiedenster Studienfächer von Geografie über Wirtschaftswissenschaften und Skandinavistik bis hin zu Sinologie und Politikwissenschaften, besteht. „National Model United Nations Conference (NMUN)“ ist die größte studentische Simulation der Arbeit der Vereinten Nationen. An ihr nehmen 5000 Studenten und Studentinnen aus allen Erdteilen teil. Auf zwei luxuriöse Hotels – das Marriott Hotel direkt am Times Square und das Sheraton – verteilt, kommen daher die verschiedensten Kulturen zusammen, man diskutiert zusammen und feiert zusammen und es entstehen neue Freundschaften – beispielsweise mit jungen Menschen aus Texas, Costa Rica, Indien, Frankreich oder Australien. Um genau einzuüben, welche Floskeln man bei der UN verwendet und wie die Abstimmungsabläufe etc. funktionieren, gab es sowohl eine Hohenheimer Conference Model United Nations im vergangenen Januar als auch eine Tübinger Model United Nations im Februar, bei der zusammen mit Hohenheimer und Heidelberger Studenten und Studentinnen im „Kleinen“ für einen Tag die Repräsentation verschiedener Länder geübt wurde.

In New York waren die Sitzungen aber dann um einiges anstrengender: So musste man die anderen in 90 Sekunden überzeugen, warum der Punkt „Nukleare Sicherheit“ am wichtigsten sei, Verbündetete für sein „draft working final document“ finden und am Ende wurde dann das final document mit einer knappen 2/3-Mehrheit beschlossen, welches beispielsweise die Punkte bessere Transportkontrollmechanismen der Atomwaffen, eine nuklearwaffenfreie Zone in Zentralasien, erweiterte Kompetenzen für die IAEA (Internationale Atombehörde) und eine friedliche Nutzung der Atomenergie beinhaltete. „Nach den Verhandlungen, manchmal bis Mitternacht, weiß man, wie schwierig es ist, für 192 Länder eine Lösung zu finden“, sagt Bode, die bereits zum dritten Mal die Tübinger Delegation nach New York begleitet. Da uns die Aufgabe zugewiesen wurde, Argentinien zu vertreten, haben wir im Seminar viel über dieses südamerikanische Land erfahren und fuhren Ende Februar dann nach Genf, um verschiedene UN-Institutionen zu besuchen. Die ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland wartete auf uns, ebenso das United Nations Development Programme (UNDP), die World Intellectual Property Organization (WIPO), das Office of the High Comissioner of Human Rights (OHCHR), ebenso wie das Büro für die Americas des hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR). „Man muss sich in dem Spiel in ein anderes Land hineindenken und macht dabei vielleicht die Erfahrung, dass man eine Meinung vertreten muss, die nicht die eigene ist“, erklärt Bode. Allen teilnehmenden Studenten hat dieses Seminar wahnsinnig Spaß gemacht und die meisten vermissen jetzt nach wenigen Tagen bereits die pulsierende Metropole.

Natalie Pfau ist Vorsitzende der JU Kirchheim. Sie studiert Politikwissenschaft, Deutsch und Spanisch auf Gymnasiallehramt.
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